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“Mystification is the process of explaining away what might otherwise be evident“.

John Berger

Künstlerische Ausbildung
Studium: Freie Kunst / Internationale Fachhochschule für Kunst und Design, Köln
Praktikum: Glasmalerei Henseler, Köln (Restauration von Domfenstern
Studium : Visuelle Kommunikation / HSD Hochschule Düsseldorf (Grafik Design, Fotografie, Malerei) Abschluss (Akademischer Grad): Diplom Designer
Art- und Creative Director mit Schwerpunkt Film (Member of the Board Europe)
Auswahl diverser Auslandsaufenthalte (mein künstlerisches Thema betreffend):
Tokio // Einladung zur Leichtathletik WM durch den offiziellen Zeitnehmer (Seiko), Erfahrung als Europäerin in einer japanischen Unternehmenskultur.
Istanbul, Izmir // mehrwöchiger Aufenthalt, Zusammenarbeit mit einer türkischen Kreativdirektorin.
Miami, Los Angeles // Zusammenarbeit mit einer US Regisseurin.
Casablanca, Marrakech, Erfoud (Sahara) // mehrwöchiges Filmprojekt in einem islamischen Land.
New York // Zusammenarbeit mit einer Filmproduzentin.
London, Mailand, Wien, Barcelona, Paris // länderübergreifendes europäisches Filmprojekt.

Verschiedene Auszeichnungen und Creative Awards für Design, Artwork und Film, u.a. zweimal Art Directors Club Deutschland und viermal New York Festival.
2001 – 2010: freie künstlerische Tätigkeit im Bereich Malerei und experimenteller Grafik. Nebenerwerb als Freelancerin in den Bereichen Design, Mode und Architektur.
Seit 2011: ausschließlich künstlerisch freischaffende Tätigkeit. Techniken: Malerei, Mixed Media, Digital Painting, Experimental Crossover Collage.

Mitglied im Verein der Düsseldorfer Künstlerinnen e.V.
Mitglied im Verein der Düsseldorfer Künstler e.V.
Galerien: Ludwig Kleebolte, Essen / Sander I Sohn, Düsseldorf

Ausstellungstätigkeit seit 1994. Auswahl:
Upcoming (09/2020):, Einzelausstellung, Galerie Ludwig Kleebolte, Essen
11 / 2019 Ausstellung No 6 PhotoPopupFair, Stilwerk Düsseldorf
09 / 2019 Solo Ausstellung Galerie SANDER I SOHN, Düsseldorf, DNA. Multiples become Abstracts
11 / 2018 Ausstellung No 5 PhotoPopupFair, Stilwerk Düsseldorf
12 / 2017 bis 01/ 2018 Ausstellung Galerie SANDER I SOHN, Düsseldorf, PORTRAITS: Various Artists
10 / 2017 Ausstellung Kult, Elf im Glashaus, Köln-Bedburg, Multiple and Others
2016 / 2017 Solo Ausstellung Villa Löwenburg, Meerbusch, Multiple and Others
2016 Ausstellung Kunst aus Meerbusch, Teloy Mühle Meerbusch, Malerei
2016 Ausstellung No 2 PhotoPopupFair,Stilwerk Düsseldorf, Multiple Portraits
2015 Solo Ausstellung Showroom Blennemann, Düsseldorf, Multiple Portraits
2015 Ausstellung Kunst aus Meerbusch, Teloy Mühle Lank, Malerei
2013 / 2014 Solo Ausstellung Penthouse KWS 166, Düsseldorf, Encounters and Turbans

Künstlerischer Ansatz
Mein künstlerisches Thema ist das irreale Portrait als Metapher des vielschichtigen Menschen.

Es geht mir um die metaphysische Dimension der portraitierten Personen. Ihre Wandlungsfähigkeit – vor allem in der Begegnung mit anderen Menschen, auch in der mit dem Betrachter. Also das subtile Spiel zwischen Sender und Empfänger.

Mein Grundmotiv ist das Spannungsverhältnis zwischen Innen und Außen: Was ist sichtbar, was bleibt verborgen, und wie lässt sich dies künstlerisch erforschen? Eng damit verknüpft ist das Thema der Schönheit und des Wertes, den die Gesellschaft weiblicher Schönheit beilegt.

Die Serie der Multiplen Portraits, befasst sich im Kern mit der Zerrissenheit, den Erwartungen und Forderungen, die in unserer Gesellschaft an Frauen gestellt werden.

Die Ursprungsbilder dieser Serie sind bereits irreale Portraits, die diese verschiedenen Rollenbilder stellvertretend repräsentieren sollen. Aus vier oder fünf Gesichtsfragmenten verschiedener Frauen sind sie malerisch so zusammengesetzt, dass sie eine Homogenität vortäuschen (Malereicollagen, Acryl auf Leinwand). Als Prototypen stehen sie am Anfang dieser Werkgruppe.

Die weitere Technik hat sich aus einer Kombination von Malerei, Fotografie, Digital Painting und Crossover-Collagen entwickelt. Sie unterliegt einem permanenten Prozess des Experimentierens.

Ich fotografiere die Prototypen, zerschneide und collagiere sie digital und setze sie neu zusammen. Manchmal folgen Übermalungen, die jede Eindeutigkeit als Illusion entlarven.
So wie das Facettenauge der Fliege winziger Ausschnitte wahrnimmt und zu einem Gesamtbild zusammenfügt, entstehen andere, neue Ansichten von Portraits. Bilder von neuen, imaginären Personen, die weitere Generationen darstellen könnten.

Aus den Müttern werden Töchter, Enkel und entfernte Verwandte, jeweils mit Anteilen der jeweiligen DNA des Ursprungsportraits.
Portraitmetamorphosen zur Erforschung des inneren Potenzials sind zum Kern meiner Arbeit geworden. Intuitiv ins Innere vordringen, sezieren, anreichern, verdichten oder reduzieren, diesen Prozess möchte ich visualisieren. Ohne dabei zwischen Intuition (Emotion) und Konzept (Ratio) zu entscheiden.

Es ist die Magie der Transformation, die beim Betrachter neue Assoziationen wecken soll. Das Neue entsteht durch eine andere Anordnung des vorhandenen Potenzials.

Die bewusste Loslösung vom Figurativen führt in ihrer Transformation zu abstrakten Bildern, die das ursprüngliche Portrait genetisch beinhalten, es aber nicht mehr darstellen.

Aus den Multiples werden Abstracts und Virtual Visions. Aus Malerei wird Fotografie. Da der Begriff Fotografie meine Arbeit nicht hinreichend erklärt, bezeichne ich das Ergebnis als Metafotografie.

Frances & me 2020

Bei dem Projekt mit dem Titel Frances & Me 2020, einer Zusammenarbeit mit meiner Tochter Frances (21), geht es um generationsübergreifende Themen: Wunschvorstellungen der Zukunft, Ängste, Projektionen und bewußt oder unbewußt gelernte Mechanismen im Umgang damit werden von uns beiden künstlerisch erarbeitet und visualisiert.

Diese, nun sehr unterschiedlichen Erfahrungen, fließen unter dem Arbeitstitel “Protect me from what I want“ (Zitat: Jenny Holzer) zusammen. Natürlich nicht ohne kreative Auseinandersetzungen.

Gemalte Portraits meiner Tochter setzte ich durch meine Crossover Technik in einen neuen Kontext. Angereichert durch neue Elemente wird das Portrait in einen anderen Sinnzusammenhang gebracht.

Ziel ist es, die individuellen Projektionen künstlerisch aufzuarbeiten, zu reflektieren und Fragen aufzuwerfen

| Die Kunst der Martina Ziegler Text: Dr. Dagmar Täube, Kunsthistorikerin (artcura)

Das Bild des Menschen hat die Künstler von jeher interessiert. Dabei spiegelt es das herrschende Weltbild ebenso wie die Auseinandersetzung mit den inneren Gemütsregungen. In diesem Sinne gibt es wohl kaum ein anderes Motiv, das sich so vielschichtig durch die Jahrhunderte präsentiert. Es ist heute wie zu jeder anderen Zeit gleichermaßen aktuell und wird immer wieder neu erfunden.

Eng damit verknüpft ist zugleich das Thema der Schönheit, die ebenfalls in unterschiedlichen Zeiten immer wieder anders und neu bewertet wurde, aber stets auch eine große Rolle spielte.

In diesem thematischen Umfeld bewegt sich auch Martina Ziegler. Die Darstellung von Frauenbildern, auch in der Begegnung mit historischen Hintergründen aus Kunst und Literatur, sind zu ihrem zentralen Thema geworden. Mit jeder neuen Werkgruppe taucht sie tiefer in diese Arbeit ein und entwickelt es weiter. Dabei geht sie ihren ganz eigenen Weg und schafft neue Einsichten. Besonders wichtig ist ihr das künstlerische Ringen mit dem Sujet. Dies schafft sie auf der soliden Basis feinster Malerei, aber auch mit dem Einsatz neuester technischer Mittel, die jedoch nie zum Selbstzweck werden. Die künstlerische wie menschliche Tiefe, die daraus entsteht, findet der Betrachter in ihren Werken wieder. Auf den ersten Blick sind alle Figuren fast makellos schön und dennoch wirken sie nicht oberflächlich. Dort, wo sie aufgelöst und neu zusammengesetzt wurden, ergänzt der Betrachter selbst diese Schönheit als Ganzes. Es umgibt die Figuren zuweilen etwas Gedankenverlorenes oder Mystisches, selten etwas Heiteres.

Die Turbanbilder erinnern an die klassische Malerei großer Meister. Hier setzt sich Martina Ziegler mit subtiler Ausstrahlung auseinander. Sie schafft Bilder von zeitloser Ästhetik und großer Eindringlichkeit. Ausgewogene, ebenmäßige Züge und harmonische Farbwirkungen bestimmen die Darstellungen. Gemeinsam ist ihnen eine starke Intensität. Die Figur nimmt Augenkontakt zum Betrachter auf, ohne etwas von sich zu verraten. So wird der Betrachter angeregt, sich selbst mit dem Sujet auseinanderzusetzen und darüberhinaus auch mittels des Bildes in sich selbst hineinzuschauen.

Die Begegnungen sind szenischer aufgefasst. Sie mixt Zitate und Epochen, inszeniert Fiktives und Bestehendes neu. Immer sind zwei Figuren zu erkennen, wobei sich der Betrachter fragt, ob es wohl zwei Seiten eines einzigen Menschen sind. Es umgibt sie eine eigentümliche Stille, fast eine einsame Atmosphäre. Sie treten nicht miteinander in Kontakt und gehören doch unabdingbar zusammen, wie die Licht- und Schattenseiten in unserem Dasein. Oft blickt man wie durch einen Schleier auf die Darstellung. Mit wenigen Accessoires gelingt es, die Figuren in eine andere Zeit zu versetzen, z.B. ins 19. Jahrhundert. Die Farbigkeit und Atmosphäre transportieren eine Stimmung, die den Betrachter in diese Zeit hineinversetzt. Sie erzählen Geschichten und regen gleichermaßen wieder zur Innenschau an.

Die Serie der Multiplen Portaits setzt sich auf einer anderen Ebene mit der Vielschichtigkeit des Menschen auseinander. Hinzu kommt das Interesse der Künstlerin an den neuen visuellen Ausdrucksmöglichkeiten, die sich in einer aufwendigen Kombination aus Malerei, Fotografie und Computerbearbeitung zeigt. So wie das Facettenauge einer Fliege unterschiedliche Details wahrnimmt und zu einem Gesamtbild zusammensetzt, so kreiert auch Martina Ziegler neue An- und Einsichten weiblicher Porträts. Man mag sich zunächst an kubistische Bildauffassungen erinnert fühlen, die sie jedoch weiterführt und mithilfe vollkommen neuer Techniken zu ganz neuen Kreationen zusammenfügt. Immer vielschichtiger werden dabei ihre Menschenbilder, und dies nicht nur künstlerisch-technisch gesehen, sondern auch in ihrer Ausstrahlung.

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